weniger bürokratie

 


Wer will es bezweifeln: Wir drohen in Verwaltungsarbeit zu ersticken. Wenn die Pflege den Ärzten noch eben einen Stapel Akten auf den Tisch schleudert, beginnt für sie die dritte Schicht. In Regalen und auf Tischen - Mobiliar, das auf Sperrmüllkippen zusammengeklaubt zu sein scheint – türmt sich immer neues Papier. Die Mutation zum Formular-Scout für unsere Patienten, zum belastbaren Stations- sekretariat, die immanente Bereitschaft zur Erfüllung nichtärztlicher Zusatzaufgaben sollten beschämende Relikte aus Zeiten der sogenannten Ärzteschwemme sein. Dem ist aber nicht so.

Neue und umfangreichere Dokumentationssysteme wollen bedient werden. Wir diktieren nicht nur Arztbriefe, sondern parallel dazu immer häufiger Rechtfertigungsschreiben an den Kostenträger. Hinzu kommt die Korrespondenz mit Berufsgenossenschaften, Versicherungen, Rechtsanwälten, Rehabi- litationseinrichtungen, Ämtern usw. Da bleibt kaum noch Zeit für den Patienten.

In den Praxen werden wir zunehmend gezwungen DMP-Dokumentationsbögen im Rahmen der Qualitätssicherung auszufüllen, ohne dass dadurch nachweislich eine Qualitätsverbesserung erzielt wird.

Wir wehren uns gegen die Flut einer stetig steigenden, kaum mehr zu bewältigenden Verwaltungsarbeit. Wir werden uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass der ausufernde Schriftverkehr eingedämmt wird. Die Gebühren des Arztbriefes - sofern überhaupt welche erhoben werden - sind verglichen z.B. mit einem Anwaltsschreiben immer noch unangemessen niedrig. Man wird daher diesen "Service" weiterhin gerne in Anspruch nehmen und uns engere zeitliche Fristen setzen.

Wir sind davon überzeugt, dass sich mit einer angemessenen Gebührenanpassung der Schriftverkehr reglementieren und auf das wirklich Notwendige beschränken lässt. Ferner erachten wir es für selbstverständlich und fordern, dass die erhobenen Gebühren für ärztliche Gutachten, D-Arzt-Berichte, Versicherungsanfragen etc. in voller Höhe an den jeweiligen Verfasser weitergegeben werden.

Die Möglichkeiten, von Seiten der Kammern die Flut der exzessiven administrativen Zusatzbelastungen einzudämmen, werden nicht genutzt. Im Gegenteil, eigendynamisch weiten sich die Vorschriften zur Erhebung größtenteils unbrauchbarer Datenmengen aus. Dieser kostspielige Apparat wird von Interessensgruppen erdacht und aufgebaut, die kaum mehr in die Verlegenheit kommen, so wie wir tagtäglich Berge von Formularen auszufüllen, zu codieren oder Briefe zu diktieren.

Wir stellen fest, dass die Dokumentation der Behandlungsabläufe medizinisch sinnvoll und notwendig ist. Sie verkommt jedoch immer mehr zum Absicherungsinstrument. Die liste-junge-aerzte.de setzt sich für innovative und zeitgemäße Möglichkeiten der Informationserfassung bzw. des Informations- austausches ein. Effektive und vor allem den Arzt entlastende Lösungen sind zu erarbeiten. Eine vermehrte Beteiligung der entsprechenden Verwaltungsstellen und der Pflege im Sinne einer Rückverlagerung der administrativen Aufgaben sowie der Einsatz der Informationstechnologie durch sachkundige Spezialisten werden Kernpunkte der Aufgabenbewältigung sein.

Dr. med. Hermann Koebe